Sie sind wirklich zurück. Nach 13 Jahren bringen die Beginner am kommenden Freitag endlich wieder ein neues Album. Und in meinen 27 Jahren Lebenszeit auf diesem Planeten war ich wohl noch nie so aufgeregt vor dem Hören einer neuen Platte. Allein der Titel Advanced Chemistry als Hommage sorgte zusammen mit dem vielleicht besten Deutschrapsong 2016 Ahnma und dem ebenfalls großartigen Es war einmal schon vorab für fast unerreichbar hohe Erwartungen.

Mit genau diesen beiden Songs das Album zu beginnen ist dann aber auch wirklich der perfekte Einstieg – sowohl für neue als auch alte Fans. Danach holt man sich dann den alten Weggefährten Samy Deluxe ins Boot und feiert die eigene Posse und verteilt anschließend mit Audio88&Yassin Sample ein paar nicht allzu heftige Schellen. Das Ganze fungiert irgendwo zwischen Rap, Funk, Reggae und sogar leichten Trapeinflüssen und ist pfeffinitiv nicht jedermans Sache – kommt aber durch mehrmaliges Hören immer besser rein.

Mit dem folgenden So Schön, dieser Ezi Hook und einem sooo erfrischenden Dendemann Gastbeitrag findet man dann das nächste große Highlight auf Advanced Chemistry. Was man sich direkt drauf bei Rambo Nr. 5 gedacht hat, erschließt sich mir dann zwar sehr schnell, macht den Song aber nicht besser. Der Track ist komplett auf Liveshows ausgelegt, aber vorallem lyrisch viel zu flach für das Niveau der Jungs. Da kommt die anschließende Hymne für den Kater am nächsten Morgen schon wieder viel doper. Thematisch natürlich absolut nichts Neues, aber dafür einfach wunderschön smooth. Und sobald es sich dann ausgekatert hat, will auch schon wieder gefeiert werden und man liefert mit Rap & Fette Bässe diverse Anspielungen für Rapliebhaber der etwas älteren Schule. Vom Beat, der ohne Zweifel an D.I.D.D.Y angelehnt ist, bis zur Afrob Hook, bekommt man hier eine ordentliche Prise klassischen Shit auf dem Silbertablet serviert.

Aber auch nach dieser Party muss man es ruhiger angehen lassen und die Beginner widmen sich dem Spam unserer Gesellschaft. Obwohl ich kein großer Fan von Piano-Beats bin, passt das hier doch ziemlich gut. Und bevor man dann sogar mit zusammen mit Hafti auf Macha macht, holt man für Thomas Anders  auch noch Megaloh in die Booth und es wird ziemlich funky. Sound- und raptechnisch wird hier alles bedient, viel experimentiert und auf so Manches muss man sich erst einlassen. Doch mit Nach Hause bekommt man schon den letzten Track des Albums und eine weitere Hymne geliefert, die man zum Abschluss nicht passender hätte gestallten können. Fast schon ein Danke Pt. 2.

Advanced Chemistry ist tatsächlich wieder ein wirklich großartiges Album geworden. Der Sound ist natürlich ein ganz anderer als vor 13 Jahren, aber die Jungs finden hier den perfekten Weg zwischen der alten Schule, dem ganzen neuen Shizzle und ihrem eigenen Sound, den sie von diversen Soloprojekten mitgebracht haben. Die Features sind nicht nur gut gewählt, sondern liefern auch ausnahmlos ab. Meine extrem hohen Erwartungen wurden kein Stück enttäuscht, aber auf eine ganz andere Art erfüllt, als ich erwartet hätte. Man muss sich wirklich drauf einlassen und es mehr als nur einmal durchhören. Ob es einen ähnlichen Klassikerstatus wie seine Vorgängeralben erreicht, wage ich zu bezweifeln, aber mir gefällt das Album mit jedem Tag besser – und es war schon beim ersten Durchhören extrem nicey. Schön, dass ihr wieder da seid Jungs!

UPDATE: In meiner Vorabversion gab es den 13. Track Foxy Music noch nicht. Dieser Track ist ein 45 Minuten Mixtape im alten Beginner Style und gibt dem Album den Punkt auf den i. Mit diesem alten Mix macht man wirklich jeden Fan glücklich und das Album wird komplett perfekt.

Ps: Ahnma ist für mich das Füchse des Jahres 2016.

Beginner Albumcover ©Universal Music

Print Friendly, PDF & Email